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Emma Raducanu siegt bei US Open - die Tennis-Welt steht Kopf

Emma Raducanu hat mit ihrem Sieg bei den US-Open Tennis-Geschichte geschrieben. Die 18 Jahre alte Britin ist die erste Qualifikantin, die ein Grand-Slam-Turnier gewinnt und könnte zum Star einer neuen Tennis-Generation werden.
Erster großer Auftritt in Wimbledon

Dies konnte beim besten Willen niemand kommen sehen, auch nicht bei diesen US Open, bei denen sich die Top-Spielerinnen der Reihe nach früh aus dem Turnier verabschiedet hatten. Und auch nicht nach Raducanus erstem großen Auftritt im Sommer in Wimbledon.

Als Nummer 338 der Weltrangliste stürmte sie bis ins Achtelfinale, einen Monat nach ihrem Debüt auf der WTA-Tour, und eroberte die Herzen der britischen Fans. Ehe sie im Match gegen Ajla Tomljanovic aufgeben musste, wegen Schwindel und Problemen mit der Atmung. Begleitet von vielen Spekulationen, BBC-Kommentator John McEnroe etwa vermutete mentale Probleme und meinte, die 18-Jährige habe womöglich dem Druck auf der größten Tennis-Bühne nicht standhalten können.

Abitur mit Bestnoten, geerdetes Umfeld

Raducanu wiederum steckte das jähe Ende ihres ersten Höhenflugs gut weg. Sie arbeitete verstärkt an ihrer Fitness und drehte offenbar auch sonst an den exakt richtigen Schrauben: Sie holte ihren Trainer Andrew Richardson ins Team zurück, ein enger Vertrauter, der sie begleitet hatte, seit sie elf Jahre alt war.

Sicherlich ist es auch ihr geerdetes Umfeld, dass die 18-Jährige aus Bromley in Süd-London stark macht. Ihre Eltern, die in der Londoner Finanzbranche tätig sind, legten Wert darauf, dass sie ihren A-Level machte, das britische Abitur, mit Bestnoten in Mathematik und Wirtschaft.

Auch das unterscheidet Raducanu von vielen anderen Spielerinnen, die schon früh in der Pubertät auf Tennis-Internate gesteckt werden, verbunden mit dem entsprechenden Leistungsdruck, die komplette Jugend auf eine mögliche Profi-Karriere auszurichten.

Dominant und nervenstark - auch im Finale gegen Fernandez

Von ihren spielerischen Anlagen her gilt Raducanu schon jetzt als eines der größten Talente ihres Sports. Mit einem erstaunlich vielseitigen Spiel, ihre zwei größten Stärken sind der Return und ihre Rückhand, bei der sie den Ball früh trifft und die Gegnerin sofort unter Druck setzt.

Bei den US Open zeigte sie zudem eine Nervenstärke, als hätte sie bereits viele Grand-Slam-Schlachten erfolgreich überstanden. Diese Geduld half ihr auch im Finale gegen Leylah Ferndandez, die andere große Überfliegerin des Turniers. Das Duell der beiden war das erste Major-Finale zweier ungesetzter Spielerinnen. 2018 hatten sich beide in Wimbledon noch bei den Juniorinnen gegenüberstanden.

Beim Finale der US Open dominierte Raducanu nun von Beginn an, zeigte auch die größere Widerstandskraft und nutzte nach 1:51 Stunde den dritten Matchball zum Sieg. Damit ist Raducanu die erste britische Grand-Slam-Siegerin nach Virginia Wade 1977.

"Es gab keine Spielerin in der Geschichte, die so wenige Matches brauchte, um ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen", schrieb der "Guardian" über die US-Open-Siegerin. "Und das in der intensivsten aller Arenen. Das Bemerkenswerteste daran, es sah vom ersten Moment an so aus, als müsste es einfach so kommen."

Stand: 12.09.2021, 11:33

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