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Feiertag: Fronleichnam: Den Glauben öffentlich zeigen

An Fronleichnam feiern Katholiken, dass Jesus im geweihten Brot und im Wein auch nach seinem Tod gegenwärtig ist. Heute wissen immer weniger Menschen, warum der Feiertag begangen wird. Sie verbinden Fronleichnam vor allem mit den Prozessionen.

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche traditionell das Fest "Fronleichnam". Es fällt heuer auf den 16. Juni und gehört zu den Feiertagen, deren Hintergrund viele kaum noch wissen.

Katholiken feiern Anwesenheit Jesu in Brot und Wein

Der Name "Fronleichnam" bedeutet übersetzt so viel wie "Hochfest des Leibes und Blutes Christi". An Fronleichnam feiern Katholiken, dass Jesus in Brot und Wein mitten unter ihnen ist. Als sichtbares Zeichen wird eine reich verzierte Monstranz mit einer geweihten Hostie in feierlicher Prozession durch die Straßen eines Ortes getragen. In vielen Gemeinden werden die Prozessionswege geschmückt mit Fahnen, kleinen Altären und Blumen. Mancherorts gibt es farbenprächtige Blumenteppiche, die zum Teil mehrere hundert Meter lang sind.

Das Wort "Fronleichnam" leitet sich ab aus dem Althochdeutschen. Dabei steht "vron" für "Herr" und "licham" für den "Leib". Denn Katholiken glauben, dass Jesus selbst in der Hostie anwesend ist. Jesus soll laut biblischer Überlieferung beim Letzten Abendmahl gesagt haben: "Das ist mein Leib". Dieses Versprechen, dass Jesus auch nach seinem Tod noch da ist, das wird an Fronleichnam gefeiert.

Papst Franziskus feiert erst am Wochenende

Doch der Feiertag findet nicht bundesweit statt: Neben Bayern ist Fronleichnam noch in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und in einigen Gemeinden in Sachsen und Thüringen ein gesetzlicher Feiertag. Er erinnert gewissermaßen an das Letzte Abendmahl am Gründonnerstag: An diesem Tag selbst zu feiern, würde nicht zum stillen Charakter der Karwoche passen. Deshalb wird an Fronleichnam gleichsam "nachgefeiert".

In Städten und Ländern, in denen Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist, finden die Prozessionen oft am folgenden Wochenende statt. Auch Papst Franziskus feiert im Vatikan erst am Sonntag Fronleichnam. Die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen feiern das Fronleichnamsfest nicht.

Anders als Ostern, Weihnachten oder Pfingsten hat Fronleichnam nicht direkt ein biblisches Ereignis zur Grundlage. Papst Urban IV. führte Fronleichnam 1264 als allgemeines Kirchenfest ein, 1317 ordnete Papst Johannes XXII. den Donnerstag als Festtag an. Das Fest geht zurück auf eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahr 1209; sie wurde später heiliggesprochen.

Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten

Eine Fronleichnamsprozession wurde erstmals in den 1270er-Jahren in Köln begangen. In der Reformation entwickelte sich das Fest zu einem Merkmal, das Katholiken und Protestanten unterscheidet: Luther bezeichnete Fronleichnam 1527 als "allerschädlichstes Jahresfest", weil die biblische Grundlegung fehle. Der Gegensatz hat sich inzwischen abgeschwächt: Auch auf evangelischen Kirchentagen gab es schon mehrfach gemeinsame Fronleichnamsprozessionen.

Wegen Corona mussten in den letzten beiden Jahren die Prozessionen ausfallen. Heuer finden sie wieder statt, ebenso mit dem Fest verbundene Traditionen wie etwa die Schiffsprozession "Mülheimer Gottestracht" auf dem Rhein bei Köln oder die Seeprozession auf dem Staffelsee.

In der Münchner Innenstadt findet am Donnerstag eine große Prozession statt, weshalb auch der Marienplatz gesperrt ist. Dort feiert Kardinal Marx um 9 Uhr Gottesdienst. Der anschließende Zug durch die Innenstadt lockt erfahrungsgemäß viele Zuschauer an, denn mit dabei sind in der Regel viele Kirchenvertreter, Politiker, Ordensleute und Vereine.

Prozession auf dem Staffelsee zieht viele Besucher an

Vielerorts in Bayern ziehen Gläubige, Ortsgruppen und Verbände durch die Stadt. Bayernweit einmalig ist die Prozession auf dem Staffelsee in Seehausen. Dort begleiten Fischerboote die Monstranz auf die Insel Wörth. Dort ist jeder willkommen, vorausgesetzt, man bringt Respekt mit für das kirchliche Hochfest, sagt die Vorsitzende vom örtlichen Pfarrgemeinderat, Angelika Guglhör.

Interessierte sollten früh aufstehen: Die Seeprozession beginnt um acht Uhr mit einer Messe in der Pfarrkirche St. Michael. Dann geht es zum See. Dort steigt der Pfarrer mit Monstranz und Begleitern auf eine von Ruderern gesteuerte Fähre, andere Teilnehmer verteilen sich auf Ruderboote. Ein weiterer Teil folgt der Prozession auf dem Motorschiff "Seehausen". Gäste können dort nach einer Mitfahrgelegenheit fragen. Aber auch vom Ufer aus lässt sich die Prozession beobachten.

Katholiken sind an Fronleichnam dazu eingeladen, ihren Glauben während der Prozession öffentlich zu zeigen und dazu auf die Straße zu gehen. Lange Zeit waren viele Fronleichnamsprozessionen kämpferische Demonstrationen katholischer Frömmigkeit gegen die Protestanten; in der NS-Zeit konnten sie sogar als Akt passiven politischen Widerstands wahrgenommen werden. Auch heute wollen viele Menschen an Fronleichnam deutlich machen, dass ihrer Meinung nach der Glaube nicht ins stille Kämmerlein gehört, sondern in der Gesellschaft gezeigt werden soll.

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