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Nachhaltigkeit im Fußball: Mehr grün als nur der Rasen?

Politik gehört nicht ins Stadion?
(Quelle: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)
Michael Böcher & Lars Berker

Lars Berker ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Nachhaltige Entwicklung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Prof. Dr. Michael Böcher leitet den Lehrstuhl.

Flankiert wird diese sogenannte Nachhaltigkeitsrichtlinie von einer neu eingerichteten "Kommission Nachhaltigkeit" und dem "DFL-Nachhaltigkeitsforum". Dem Begriff ist nicht zu entkommen. Das könnte dem Klima des Planeten ebenso guttun wie jenem zwischen Profis und Fans, das als zunehmend unterkühlt gilt.

Doch wo sich imagebewusste Funktionäre hinter Umweltthemen klemmen, fällt schnell der Vorwurf des Greenwashings.

Profifußball ist politisch

Wie glaubwürdig sind die grünen Versprechen eines Sports, dessen Spieler zu internationalen Turnieren und Trainingslagern um die Welt fliegen? Wo Vereine und Vereinigungen millionenschwere Sponsorenbeträge von Gas- und Ölkonzernen, Fluggesellschaften und Autoherstellern annehmen. Wo die Weltmeisterschaft in der absoluten Monarchie Katar veranstaltet wird, die so klein ist, dass Spieler und Fans für jedes Spiel aus dem benachbarten Dubai einfliegen müssen.

Fest steht: Der deutsche Fußball hat mehr Macht, als viele Insider zugeben wollen. Die Stadien der Republik strahlen nach außen – was dort geschieht und gesagt wird, prägt. So stark, dass dadurch gesellschaftliche Werte und sogar politische Ansichten beeinflusst werden können.

Die Fans von Union Berlin zeigen dem Klimaaktionstag des DFB die rote Karte beim Auftaktspiel der neuen DFB-Pokalrunde gegen den Chemnitzer FC im August.Die Fans von Union Berlin zeigen dem Klimaaktionstag des DFB die rote Karte beim Auftaktspiel der neuen DFB-Pokalrunde gegen den Chemnitzer FC im August.
Die Fans von Union Berlin zeigen dem Klimaaktionstag des DFB die rote Karte beim Auftaktspiel gegen den Chemnitzer FC in der ersten Pokalrunde im August. (Quelle: IMAGO/Michael Taeger)

Profifußball ist politisch. Eine Tatsache, die die Branche immer wieder – und nahezu einstimmig – zurückweist. Umso überraschender ist es also, dass sich die zentralen Fußballakteure DFL und DFB in Sachen Nachhaltigkeit so weit aus der Deckung wagen. Wer die Debatten um ein mögliches Kuhmilchverbot im Stadion des VfL Wolfsburg oder die vegane Stadionwurst auf Schalke verfolgt hat, weiß: Nachhaltiges Handeln ist höchst politisch. Und es polarisiert.

Dennoch steht seit einem Dreivierteljahr in der Präambel der Liga-Satzung: "Der DFL e.V. und seine Vereine und Kapitalgesellschaften tragen dazu bei, das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln innerhalb breiter Bevölkerungsschichten zu verankern."

Dass dies nicht bloß ein Lippenbekenntnis ist, zeigt sich in den Mindestkriterien der Nachhaltigkeitsrichtlinie: Von Merchandising und Fanartikeln über Ressourcenmanagement und das gastronomische Angebot in den Stadien verpflichtet sie in einer bemerkenswerten Bandbreite von Bereichen zu mehr Nachhaltigkeit.

Niedrige Hürden für alle Vereine

Jedoch: Die meisten Minimalanforderungen beschränken sich auf eine Informationspflicht der Klubs, wie die Frage nach dem Anteil der Elektrofahrzeuge im Fuhrpark oder dem prozentualen Anteil des Nachhaltigkeits- am Gesamtbudget. Konkrete Maßnahmen sucht man häufig vergeblich. Dort, wo es sie gibt, sind sie fast ausnahmslos sehr offen formuliert.

Beispielsweise könnte die eingeforderte Maßnahme zur "Reduktion des Energieverbrauchs" zugespitzt auch durch das Einsetzen einer Energiesparlampe auf der Geschäftsstelle erreicht werden. Dieser wenig ambitionierte Start ist allerdings kalkuliert.

Teamjubel beim FC Bayern München nach dem Sieg über den RB Leipzig: Auch der Deutsche Meister muss in Sachen Nachhaltigkeit noch aufholen.Teamjubel beim FC Bayern München nach dem Sieg über den RB Leipzig: Auch der Deutsche Meister muss in Sachen Nachhaltigkeit noch aufholen.
Teamjubel beim FC Bayern München nach dem Sieg über den RB Leipzig: Auch der Deutsche Meister muss in Sachen Nachhaltigkeit noch aufholen. (Quelle: IMAGO/Markus Ulmer)
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