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„Hart aber fair“: „Wir impfen ja nicht, um jemanden lustig in den Urlaub zu schicken“

Bei „Hart aber fair“ ging es um die Frage, ob dieses Jahr Urlaub möglich ist. Bremens Bürgermeister Bovenschulte verwies auf das Infektionsgeschehen, das bestimme, was machbar sei. Virologin Pietsch mahnte, Urlaub sei nicht der Sinn und Zweck des Im

Frank Plasbergs Gäste richteten den Blick auf den so betitelten „Sommer der Unsicherheit“ und diskutierten eine Frage mit Sprengkraft und potentiellem Neidfaktor: „Echter Urlaub nur mit Impfung?“

Davor müsste freilich erst geklärt sein, wo es im Sommer überhaupt die Möglichkeit zum Urlauben geben kann und ab welchem Inzidenzwert man sinnvollerweise das Risiko von Planung und Buchung auf sich nehmen sollte. In der Sendung war man sich immerhin einig: Wenig würde der Lockdown-geplagten Bevölkerung so sehr helfen wie eine verlässliche Perspektive auf richtige Sommerferien. Aber unvorsichtig will eben auch keiner werden.

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An der „Was wäre wenn“-Urlaubsplanung beteiligten sich Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), die Virologin Corinna Pietsch, Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbands (DRV), die Journalistin Andrea Zschocher und Reisebuchautor und Wander-Enthusiast Manuel Andrack.

Eigentlich hätte auch Reinhold Messner, Südtiroler Bergsteigerlegende, per Schalte in die Debatte eingreifen sollen. Die stockende Verbindung nach Bozen ins Studio brach dann aber vollkommen zusammen, bevor Messner auch nur einen Punkt beitragen konnte.

Urlaub nur mit Impfung?

Die Leitfrage der Sendung nach Reiseprivilegien für Geimpfte beantwortete DRV-Chef Fiebig kurz und bündig: „Ich glaube, die Diskussion hier ist ein bisschen verfrüht. Wir haben gerade mal drei Prozent der Bevölkerung geimpft.“ Tatsächlich sind es sogar nur gut zwei Prozent, die bereits die Erst- und Zweitimpfung erhalten haben.

An der Impfreihenfolge, die ältere und vulnerable Gruppen bevorzugt, wollte auch keiner rütteln, obwohl die vermutlich dafür sorgen wird, dass zu Beginn der Sommerferien ausgerechnet Familien mit Kindern noch nicht geimpft sein werden.

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Zschocher, selbst Mutter dreier Kinder zwischen zwei und sieben Jahren, lehnte es dennoch strikt ab, sich gegen die priorisierten Gruppen ausspielen zu lassen. „Wir habe ja alle Großeltern. Wenn ich weiß, es werden erst Ältere geimpft, dann habe ich ja auch meine Eltern und Großeltern im Blick.“

Und Virologin Pietsch wies deutlich darauf hin, keine falschen Zusammenhänge herzustellen: „Wir impfen ja auch nicht, um jemanden lustig in den Urlaub zu schicken. Das ist ja nicht der Sinn und Zweck des Impfprogramms.“

Urlaub dank vieler Tests?

Aber worauf soll man dann hoffen? Jedenfalls nicht auf Osterurlaub, wenn man Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer glauben darf. Der hatte unlängst erklärt, dass es jenen in diesem Jahr nicht geben könne. „Der Satz hat uns auf die Palme gebracht“, erklärte Fiebig, der nicht verstehen konnte, dass man schon zwei Monate vor Ostern die Aussicht auf Urlaub „kaputtquatscht“.

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In Richtung Kretschmer schoss er zurück: „Hier fehlt es ein bisschen vielleicht auch an der Sensibilität und am Sachverstand, was Touristik leisten kann – was Touristik auch leisten kann, um sicheres Reisen zu ermöglichen.“

Mithilfe durchdachter Testregimes und der gezielten Isolierung der Reisegruppen hielt er Öffnungen für möglich und angezeigt, sei es für die Jugendherbergen oder für die Kreuzfahrttouristik. Die Leute wollten reisen und seine Branche wolle ihnen das – nach einem Jahr mit rund 90 Prozent Umsatzeinbruch – endlich wieder ermöglichen, so Fiebig.

Urlaub bei niedriger Inzidenz?

Bürgermeister Bovenschulte verwies wiederholt auf das allgemeine Infektionsgeschehen, das ihm zufolge bestimme, was möglich ist und was nicht. Mit Blick auf Ostern könne man da heute noch nichts Sicheres sagen.

Und das bedeute laut Bovenschulte folgendes: „Wir müssen ein bisschen auf Sicht fahren, und dann vielleicht zwei Wochen oder drei Wochen vorher sagen: Entweder sind die Zahlen runtergegangen und wir können uns das in Kombination mit Schutzmaßnahmen wie Schnelltests leisten, oder wir liegen bei 60, 70, 80 und dann, glaube ich, ist tatsächlich nicht die Zeit, um den Osterreiseverkehr zu eröffnen.“

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Dass man heute noch keine klare Beurteilung für die Lage in einigen Wochen vornehmen könne, liege zudem an den aktuellen Schulöffnungen in vielen Bundesländern, ergänzte Pietsch.

„Wir brauchen sicherlich drei Wochen, um gut einschätzen zu können, was an Mehr an Kontakten und Infektionen dadurch stattfindet. Und das bringt natürlich irgendwelche Osterpläne schon ganz arg ins Wanken.“ Daher seien Warnungen vor verfrühter Euphorie richtig.

Urlaub als Wandern in der Heimat?

Manuel Andrack, Wander-Fan und Autor entsprechender Bücher, ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, Werbung für seine Art des Urlaubens zu machen. Sein Stichwort: Ferienwohnungen für Familien.

Denn bei aller pandemiebedingter Vorsicht und der Notwendigkeit zu Kontaktbeschränkungen fragte er sich doch, warum „die Blase Familie“ denn nicht einfach in eine Ferienwohnung gehen und von dort zu Wandertouren oder ähnlichem aufbrechen könne.

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„Das würde, glaube ich, vielen Ferienregionen in Deutschland auch schon mal helfen“, meinte Andrack. Pietsch fand das definitiv eine bessere Idee als beispielsweise Kreuzfahrten, Flugreisen oder Partyurlaub am Strand. Allerdings gelte es auch, die Anreise und die Unternehmungen vor Ort zu bedenken.

Wandern im Wald also, wo man niemanden trifft, ist sicherlich weniger kritisch als Besuche in umliegenden Städte, so die Virologin. So ein „kleinteiliges“ Vorgehen hielt auch Bovenschulte im Prinzip für einen denk- und machbaren Ansatz, der aber nur bei allgemein geringem Infektionsgeschehen funktioniere.

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