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Horst Hrubesch muss bleiben:Die letzte Chance auf Rettung des HSV

Horst Hrubesch übernimmt das Traineramt in Hamburg. Die HSV-Legende ist womöglich die letzte, echte Chance auf eine Rettung des strauchelnden, ehemaligen Bundesliga-Dinos. Und das nicht nur für drei Spiele - sondern längerfristig. Auch wenn sich Hrube

Horst Hrubesch übernimmt das Traineramt in Hamburg. Die HSV-Legende ist womöglich die letzte, echte Chance auf eine Rettung des strauchelnden, ehemaligen Bundesliga-Dinos. Und das nicht nur für drei Spiele - sondern längerfristig. Auch wenn sich Hrubesch da (noch) sträubt.

"Die können ohne dich spielen, aber du nicht ohne die." Es ist dieser einfache, aber so entscheidende Satz des Horst Hrubesch, der den Unterschied macht. Dieser Satz ist die oberste Maxime der HSV-Legende als Trainer im Umgang mit seinen Spielern. Wer nicht kapiert, dass er alleine eine Wurst ist und nur im Zusammenspiel mit der ganzen Mannschaft zur wahren Größe sich entfalten kann, hat als Mensch und Profi bei Horst Hrubesch keine Chance.

Und nun symbolisiert genau dieser eine Satz die Hoffnung des Hamburger SV auf eine bessere Zukunft. Denn dass es in den letzten Jahren nie an der Qualität der einzelnen Spieler oder an den Fähigkeiten des Trainers gelegen hat, dass der HSV seine vorhandene Klasse nicht auf den Platz bringen konnte, ist wohl unbestritten. Es war die Mannschaft, das Kollektiv als Ganzes, das versagt hat. Und das hat Gründe.

Gründe, die wohl viel tiefer liegen, als dass man sie mit vordergründigen Aktionen wie dem Austausch von immer neuem Personal aus der Welt schaffen könnte. Heribert Bruchhagen, der weitgereiste Manager und Fußballfunktionär, der selbst eine umfassende HSV-Biografie vorzuweisen hat, hat am Wochenende in der ARD-Sendung "Sportschau Thema" eine interessante Theorie aufgestellt, was denn nun in den letzten Jahren zum weiteren Niedergang des einstigen Bundesliga-Dino geführt haben mag.

"Das ist die Problematik des HSV"

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"Meine Diagnose, was den Hamburger SV angeht, ist: In dem Augenblick, in dem jemand einen Vertrag beim HSV unterschrieben hat, setzt eine Selbstzufriedenheit ein. Die Spieler leben dann in der tollsten Stadt Deutschlands, wohnen entweder an der Elbchaussee oder sonst irgendwo elitär, die Gehälter sind exzellent, die Lebenspartnerinnen fühlen sich auch wohl in dieser Stadt, der Italiener schiebt sie gleich auf Platz 1, wenn sie irgendwo auftauchen und fast zeitgleich geht das Leistungsvermögen zurück. Das ist die Problematik des Hamburger SV."

Die Analyse des Heribert Bruchhagen, der noch vor wenigen Jahren selbst als Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG hautnah den Alltag an der Elbe miterlebt hat, deckt sich mit dem für alle Offensichtlichen: Spieler, die neu das Trikot der Rothosen tragen, schaffen es in den seltensten Fällen, ihre Leistungen, die sie zuvor bei ihrem früheren Verein gezeigt haben, auch beim HSV abzurufen. Es spricht also sehr viel dafür, dass die Probleme nicht in den Beinen, sondern im Kopf der Profis zu suchen sind.

Und genau an dieser Stelle wird ab sofort Horst Hrubesch ansetzen. Sein oberstes Mantra, das den Mannschaftsgedanken über alles stellt, hat er schon als Spieler vorgelebt. Und noch mehr. Günter Netzer, der Horst Hrubesch damals als HSV-Manager von Rot-Weiss Essen in die Hansestadt lockte, hat einmal über ihn gesagt: "Ich habe nicht in Horst Hrubesch als Fußballspieler investiert - ich habe seinen Charakter gesehen. Er hat die Mannschaft auf dem Platz zur Ordnung gerufen. Dafür bedurfte es keines Trainers. Das hat der Horst erledigt. Und die Weltstars wie Keegan, Kaltz und Magath haben auf ihn gehört."

Man kann davon ausgehen, dass auch die aktuellen HSV-Profis auf den Europameister von 1980 hören werden. Horst Hrubesch ist nicht nur eine Legende, der als Spieler mit Hamburg unglaubliche Erfolge gefeiert hat, sondern auch ein gestandener Trainer, der es insbesondere versteht, mit der jungen Generation umzugehen. Bestes Beispiel hierfür ist die Aussage von Manuel Neuer, der nach dem Europameisterschaftsgewinn mit der U21 in Schweden 2009 von Hrubesch regelrecht schwärmte: "Dieser Trainer war wie ein Freund, er hat uns angeschnauzt und sofort wieder aus dem Dreck gezogen. So habe ich das noch nie erlebt."

Klub setzt falsche Maßstäbe an

Die Selbstzufriedenheit, von der Bruchhagen sprach, wird dieser Horst Hrubesch seinen Spielern nicht austreiben, nein, er wird sie durch sein Verhalten und durch seine Persönlichkeit einfach auf natürliche Art und Weise eliminieren. Und damit steht jetzt schon fest: Für Hamburg und den HSV gibt es nicht nur für die nächsten drei Spiele dieser Saison, sondern auch für die kommende Spielzeit keinen besseren und geeigneteren Trainer als diesen - auch wenn sich Horst Hrubesch da bereits in eine andere Richtung (vermeintlich) eindeutig festgelegt haben mag.

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für ntv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und Projekten gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Denn eines darf man auch nicht vergessen: Der Hamburger SV hat neben dem Punkt, den Heribert Bruchhagen richtigerweise als Hauptproblematik ausgemacht hat, noch ein weiteres Stigma, das indirekt wie unmittelbar auf die handelnden Akteure einwirkt. Und das ist der hohe Anspruch, den dieser Verein an sich selbst stellt, der aber auch von den Fans und der Stadt an sich getragen wird. Der Klub misst sich bis auf den heutigen Tag an den mittlerweile lange zurückliegenden Erfolgen der Vergangenheit.

Horst Hrubesch steht wie kaum ein Zweiter für diese letzte schöne Epoche des HSV Ende der 70er und Anfang der 80er-Jahre. Die heutige Spielergeneration kann sich an ihrem Trainer aufrichten. Sie wissen, er hat in seiner Karriere all das schon erreicht, was sie zu erreichen hoffen. Er ist als Mensch und Coach ein lebendes Vorbild. Und: Horst Hrubesch ist in diesen Tagen wohl die letzte Chance auf eine echte, dauerhafte Rettung dieses ruhmreichen Vereins von der Elbe.

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