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Rätsel um Karl-Erivan Haub: RTL-Recherchen unter Beobachtung des Geheimdienstes?

Eine mögliche russische Geliebte, angebliche Verbindungen zum russischen Geheimdienst, Familienzwist und ein Milliardenerbe: Das ist der Stoff, der dem Verschwinden von Ex-Tengelmann-Chef Haub besondere Sprengkraft verleiht. RTL zeigt den Dokumentarfilm

Donnerstag, 10. Juni 2021

Rätsel um Karl-Erivan Haub RTL-Recherchen unter Beobachtung des Geheimdienstes? Von Christina Warnat

Eine mögliche russische Geliebte, angebliche Verbindungen zum russischen Geheimdienst, Familienzwist und ein Milliardenerbe: Das ist der Stoff, der dem Verschwinden von Ex-Tengelmann-Chef Haub besondere Sprengkraft verleiht. RTL zeigt den Dokumentarfilm "Tengelmann - Das mysteriöse Verschwinden des Milliardärs", der auf Recherchen von Investigativreportern basiert.

Um das Verschwinden von Ex-Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub ranken sich viele Gerüchte. Die einen sind sicher, dass der Milliardär bei einem Skiausflug in den Schweizer Alpen tödlich verunglückte - die anderen behaupten, dass er untergetaucht ist und lebt.

Im Mai, knapp drei Jahre nach seinem Verschwinden, hatte das Amtsgericht Köln Haub für tot erklärt. Doch geht der Tengelmann-Krimi trotzdem weiter? Recherchen des RTL/n-tv Reporterteams zeigen eindringlich, dass Zweifel an der Unfalltheorie fortbestehen.

Die Dokumentation "Tengelmann - Das mysteriöse Verschwinden des Milliardärs" rekonstruiert detailgetreu die vermeintlich letzten Stunden im Leben von einem der reichsten Menschen Deutschlands. Am Morgen des 7. April 2018 hatte der milliardenschwere Supermarktunternehmer gegen 7.30 Uhr das feine Boutique-Hotel "The Omnia" mit Blick über Zermatt verlassen und die erste Gondel auf den Berg genommen. Die letzte registrierte Einwahl seines iPhone 6S in das Schweizer Handynetz fand um 8.33 Uhr statt. Eine halbe Stunde später, um 9.09 Uhr, dann der letzte "Point of Contact": eine Kamera am Skilift der Bergstation "Klein Matterhorn" zeichnet "Charlie" ein letztes Mal auf. Seit diesem Moment fehlt von dem bis in die höchsten politischen Kreise in Deutschland und den USA vernetzten Haub jede Spur. Sein Leichnam wurde nie gefunden.

Monatelange Recherche

Es bleiben viele Fragezeichen. Mit wem telefonierte Haub am Abend vor seinem Verschwinden? Aus Telefondaten, die RTL/n-tv vorliegen, geht hervor, dass er am 6. April um 20.52 Uhr für 60 Minuten Kontakt zu einer russischen Nummer hatte, ein weiterer Anruf folgte um 21.54 Uhr. Dieses Mal für 48 Minuten. Laut geheimen Akten sind beide Nummern der Russin Veronika E. zuzuordnen. Besonders ihre Rolle gibt Ermittlern Rätsel auf. Bis heute ist unklar, ob die Geschäftsfrau, die Haub seit 2002 kannte, seine Geliebte war oder in anderer Funktion unterwegs. Laut Quellen aus Geheimdienstkreisen soll sie eine aktive Agentin des FSB sein und einen Hubschrauberführerschein besitzen.

Es ist nicht die einzige mögliche Verbindung zwischen Tengelmann und Russland. Die Recherche ging über Monate. Seit Januar dieses Jahres hat sich Liv von Boetticher gemeinsam mit Sergej Maier und Tamer Bakiner auf Spurensuche begeben und dabei offenbar ordentlich Staub aufgewirbelt. "Die Brisanz von dieser Recherche wurde uns relativ früh bewusst", erzählt sie im RTL-Interview. "Zum einen natürlich mit der Information, dass da schon diverse Geheimdienste ein Interesse gezeigt haben. Zum anderen aber sind bei mir Sachen passiert, zum Beispiel sind Schlüssel-E-Mails einfach verschwunden aus meinem Postfach. Also E-Mails, die bestimmte Sachen nachgewiesen haben, die waren einfach weg und die haben wir nur mit sehr viel Mühe und der IT wiederfinden können", so von Boetticher. "Zum anderen gab es einen Moment, wo wir in Berlin gedreht haben in der Nähe der russischen Botschaft und das ganze Team und ich das Gefühl hatten, dass wir von einer Person beobachtet wurden, die dann später von einer anderen Person abgelöst wurde."

Daraufhin habe es auch sogenannte Ping-Anrufe auf das Handy des Kameramanns gegeben. "Anrufe, die nur den Zweck haben, die Person zu orten. Es gab unmittelbar nach meiner Einreise nach Russland Anrufe auf mein privates Handy, genau mit dieser gleichen Intention, nämlich den Standort zu orten. Und es gab auch den klaren Hinweis von einer russischen Behörde, dass ich vor Ort in Russland nicht die falschen Fragen stellen und keine Dummheiten machen soll." Ein bedrohliches Szenario. "Wir wurden definitiv beobachtet", ist sich die Reporterin sicher. "Unsere Recherchen wurden überwacht und wir hatten auch teilweise das Gefühl, dass unsere Kommunikation mitgelesen wurde." Ihr sei sehr bewusst gewesen, "in welchem Umfeld wir uns bewegen".

Unfall wenig wahrscheinlich

All diesen Fragen gingen die RTL/n-tv Reporter über Monate auf den Grund, sprachen vor Ort in Zermatt mit Ermittlern, Suchkräften, Augenzeugen, prominenten Kontakten und Geschäftspartnern des Verschollenen. Mit der Bergwacht flogen die Investigativjournalisten und -journalistinnen die Schauplätze der Suchaktion erneut ab. In eine der über 100 abgesuchten Gletscherspalten hat sich Liv von Boetticher selbst abgeseilt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es möglich wäre, einen Sturz in eine solche Spalte zu überleben. Und um die Frage zu klären: Hätte Haub überhaupt aus der Luft gefunden werden können? Doch insgesamt zeigen die Recherchen, dass ein Unfall des Milliardärs wenig wahrscheinlich ist.

RTL zeigt heute den ca. 90-minütigen Dokumentarfilm "Tengelmann - Das mysteriöse Verschwinden des Milliardärs" um 20.15 Uhr im Rahmen eines Themenabends. Die Doku rekonstruiert detailgetreu die vermeintlich letzten Stunden im Leben von Haub. Wer war der schwerreiche Tengelmann-Chef wirklich? Was bedeutet sein vermeintlich enger Kontakt zur russischen Eventmanagerin Veronika E., mit der er vor seinem Verschwinden noch mehrfach telefonierte? Hatte der Verschollene tatsächlich Kontakt zum russischen Geheimdienst? Gibt es einen Zusammenhang zu seinen Russlandgeschäften? Und welche Rolle spielt der Streit ums Tengelmann-Erbe? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Karl-Erivan Haubs Verschwinden und dem Tod seines Vaters? Der 85-jährige Patriarch war fast genau einen Monat zuvor, am 6. März 2018, auf seiner Ranch im amerikanischen Wyoming "unerwartet verstorben".

Direkt im Anschluss an den Dokumentarfilm versucht Privatermittler Tamer Bakiner um 22.15 Uhr in der Reportage "Tamer Bakiner - Das Experiment: So verschwindet ein Mensch spurlos" selbst zu verschwinden.

Beide Sendungen sind nach Ausstrahlung auch auf TVNOW abrufbar.

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