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Haferflocken im Test: Schimmelpilzgifte und Glyphosat vermiesen Ergebnisse

Haferflocken gelten als gesunde Sattmacher. In ihnen stecken viele Vitamine und Eiweiß. Von den 29 geprüften Haferflocken können wir auch viele empfehlen. Aber: In mehreren Produkten steckt das Spritzgift Glyphosat und einige Sorten rasseln wegen Schi

Testverfahren

Wir haben für diesen Test kernige Haferflocken in (Bio-)Supermärkten, Discountern und Drogerien eingekauft. Von insgesamt 29 Produkten sind 16 Biozertifiziert.

Die Preisspanne für die ausschließlich aus Hafer bestehenden Produkte ist beachtlich: Für 500 Gramm kernige Haferflocken zahlten wir zwischen 69 Cent und 3,29 Euro. Einige Hersteller teilten uns mit, seit unserem Einkauf den Preis erhöht zu haben. Auch weitere Steigerungen könnten derzeit nicht ausgeschlossen werden.

Wir ließen alle Haferflocken in spezialisierten Laboren auf Belastungen mit Schwermetallen wie Nickel, Cadmium, Blei und Arsen prüfen. Die Elemente kommen zum einen natürlicherweise in der Erdkruste vor. Zum anderen sammeln sie sich in Luft, Wasser und Boden durch die menschliche Umweltverschmutzung weiter an. Außerdem ließen wir alle Proben auf Verunreinigungen mit Mineralölbestandteilen (MOSH/MOAH) prüfen, die wir schon in vielen Lebensmitteln, unter anderem auch in Haferflocken, gefunden haben. Die Verbindungen können unter anderem aus Schmierölen an Verarbeitungsanlagen in Lebensmittel gelangen. Schimmelpilzgifte in Getreide können gesundheitlich besonders problematisch sein. Das Labor testete auf ein breites Spektrum an Substanzen. Zu guter Letzt wollten wir natürlich wissen, ob Pestizidrückstände wie das nach wie vor verbreitete Spritzgift Glyphosat in den Haferflocken stecken

Bewertungslegende 

Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Soweit nicht abweichend angegeben, handelt es sich bei den hier genannten Abwertungsgrenzen nicht um gesetzliche Grenzwerte, sondern um solche, die von ÖKO-TEST festgesetzt wurden. Die Abwertungsgrenzen wurden von ÖKO-TEST eingedenk der sich aus spezifischen Untersuchungen ergebenden Messunsicherheiten und methodenimmanenter Varianzen festgelegt.

Testergebnis Inhaltsstoffe: Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein gemessener Summengehalt von T-2- und HT-2-Toxinen, der ausgehend von einer 40-g-Portion Haferflocken zu einer Überschreitung des von der EFSA festgelegten Gruppen-TDI von 0,02 μg/kg Körpergewicht und Tag bezogen auf einen Erwachsenen mit 60 Kilogramm Körpergewicht führt (in der Tabelle: "stark erhöht").

Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein gemessener Gehalt an MOSH/MOSH-Analogen der Kettenlänge C17 bis C35 von mehr als 2 bis 4 mg/kg (in der Tabelle Mineralölbestandteile "erhöht"); b) ein gemessener Summengehalt von T-2- und HT-2-Toxinen, der ausgehend von einer 40-g-Portion Haferflocken den von der EFSA festgelegten Gruppen-TDI von 0,02 μg/kg Körpergewicht und Tag bezogen auf einen Erwachsenen mit 60 Kilogramm Körpergewicht zu mehr als 50 bis 100 Prozent ausschöpft (in der Tabelle: "erhöht").

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein gemessener Gehalt an MOSH/MOSH-Analogen der Kettenlänge C17 bis C35 von mehr als 1 bis 2 mg/kg (in der Tabelle Mineralölbestandteile "leicht erhöht"); b) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid in gemessenen Gehalten von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat). Als besonders bedenklich werden Pestizide eingestuft, wenn sie PAN-gelistet sind (in Gruppe 2 und/oder bienentoxisch), nach EU-Datenbank oder ECHA kanzerogen oder reproduktionstoxisch sind oder aus Gründen der Toxizität in der EU nicht mehr zugelassen sind; c) ein gemessener Pestizidgehalt, der unter Berücksichtigung eines Verarbeitungsfaktors (sofern laut BfR- oder EFSA-Liste verfügbar; hier: Glyphosat: 0,17) mehr als 10 bis 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandshöchstmenge (hier Glyphosat: 20 mg/kg Hafer; Mepiquat: 3 mg/kg Hafer; Chlormequat: 15 mg/kg Hafer) ausschöpft (in Tabelle: "erhöht"); d) 3 bis 6 gemessene Pestizide.

Testergebnis Weitere Mängel: Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: ein gemessener Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg eines Pestizids (hier: Chlormequat) in einem Bio-Produkt. Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen "nein", bedeutet das "unterhalb der Bestimmungsgrenze" der jeweiligen Testmethode.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das "befriedigend" ist verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.

Testmethoden 

MOSH/MOSH-Analoge/MOAH: Nach DIN EN 16995:2017 mod. (Die Modifikation betrifft die Verseifung und eine andere Matrix), Messung mittels LC-GC/FID, Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen.Mykotoxine: LC-MS/MS, Bestimmung im homogenisierten Probenmaterial aus drei Packungen.Pestizid-Screening: GC-MS und LC-MS/MS.Glyphosat, Aminomethylphosphonsäure (AMPA), Glufosinat: LC-MS/MS.Chlormequat/Mepiquat, Glyphosat: LC-MS/MS.Elemente: Totalaufschluss in der Mikrowelle; Elementbestimmung mittels ICP-MS.PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung: Röntgenfluoreszenzanalyse.

Einkauf der Testprodukte: Mai-Juni 2022 

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