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Star Wars - "Am 4. Mai sind wir bei Ihnen"

Wegen eines falsch verstandenen Zitats feiern Fans heute den "Star Wars"-Tag. Science-Fiction-Experte Hubert Zitt erklärt im tagesschau.de-Interview, wie die Saga zur Gelddruckmaschine wurde und welche Zukunftsvisionen der Filme heute Realität sind.

Interview

Stand: 04.05.2021 04:04 Uhr

Wegen eines falsch verstandenen Zitats feiern Fans heute den "Star Wars"-Tag. Science-Fiction-Experte Hubert Zitt erklärt im tagesschau.de-Interview, wie die Saga zur Gelddruckmaschine wurde und welche Zukunftsvisionen der Filme heute Realität sind.

tagesschau.de: Klären Sie uns auf: Warum feiern die Fans am 4. Mai die "Star Wars"-Filme"?  

Hubert Zitt: Das kommt von dem berühmten Satz im englischen Original: "May the force be with you." In der deutschen Fassung hat man "force" (Kraft) mit Macht übersetzt, also "Möge die Macht mit Dir sein." Im Englischen unterscheiden sich "May the force..." und "May, the fourth" (der 4. Mai) nur unwesentlich, und so wurde dieser Tag zum "Star Wars"-Tag.

tagesschau.de: Wann ist Ihnen zum ersten Mal aufgefallen, dass es diese doppeldeutige Aussprache gibt?

Zitt: Ich erinnere mich an eine Pressekonferenz 2005 mit George Lucas, dem Erfinder von "Star Wars". Das Interview wurde auf N24 übertragen. Es gab die Frage an ihn, ob er den berühmten Satz aus "Star Wars" nochmal sagen könnte. Er hat dann gesagt: "May the force be with you". Der Simultandolmetscher übersetzte das allen Ernstes mit: "Am 4. Mai sind wir bei Ihnen." Das war für mich eine einprägsame Geschichte und sicherlich mit ein Grund, warum der Tag auch in Deutschland so populär geworden ist.

Science-Fiction-Forscher Hubert Zitt | Thomas Brückl Science-Fiction-Forscher Hubert Zitt | Thomas Brückl

Zur Person

Hubert Zitt ist promovierter Elektroingenieur und Dozent an der Hochschule Kaiserslautern am Campus Zweibrücken. Der Science-Fiction-Experte hält Vorlesungen zu Science Fiction und betrachtet das Genre aus naturwissenschaftlicher Sicht.

tagesschau.de: Wer hat denn diesen so zentralen Satz wann und warum zu wem gesagt?

Zitt: Den Satz hört man öfter in den "Star Wars"-Filmen, und er wird von unterschiedlichen Charakteren gesagt. Meistens sind es die letzten Worte bei einem Abschied, und man wünscht damit dem anderen auf diese Weise Erfolg. Man kann es als eine Art Pendant zu "Live long and prosper" ansehen, womit sich Mr. Spock aus "Star Trek" immer verabschiedet.

tagesschau.de: Produzent George Lucas hat seine Firma Lucasfilm und die Rechte an den "Star Wars"-Filmen 2012 an Disney verkauft. Warum hat er das gemacht, und was macht er heute?

Zitt: Darüber weiß ich auch nur das, was man im Internet lesen kann. Zu dieser Zeit (2012) begannen die Arbeiten zur Sequel-Triloge (Episoden sieben bis neun), die bis 2019 andauerten. George Lucas war damals 68 Jahre alt und wollte einfach mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, zumal er gerade nochmals Vater geworden ist. Er ist immer noch beratend für "Star Wars" tätig und hat auch noch ein wenig Einfluss bei neuen "Star Wars"-Produktionen. Außerdem ist er damit beschäftigt, in Los Angeles sein "Lucas Museum of Narrative Art" aufzubauen, das 2023 eröffnet werden soll.

"Filme müssen heute ganz anders produziert sein"

tagesschau.de: Nach dem Verkauf an Disney sind drei weitere "Star Wars"-Filme herausgekommen. Viele eingefleischte "Star Wars"-Fans waren enttäuscht.

Zitt: Das lag aber nicht nur daran, dass George Lucas nicht mehr zuständig war. Filme, die heutzutage erfolgreich sein sollen, müssen ganz anders produziert sein. Das hat man auch bei "Star Trek" gesehen. Heute werden Filme nach Actionszenen beurteilt und nach guten Soundeffekten. Früher ging es mehr um die Story und tiefgreifende Dialoge. Nehmen Sie die Rolle der Rey in den neuen Filmen: Rey kämpft sofort, nachdem sie gerade erst erkannt hat, dass die Macht in ihr ist, gegen einen der größten Bösen und kann sich gut behaupten. Das gefällt den eingefleischten Fans nicht, weil es nicht mehr so konsistent erzählt ist. Bei George Lucas musste sich Luke Skywalker erst einmal mit der Macht vertraut machen und lernen, diese Kräfte zu nutzen.

tagesschau.de: Ist die Marke "Star Wars" erst seit Disney eine Kommerzmaschine, oder war es das auch schon vorher?

Zitt: Das war vorher schon so. Von Anfang an in den siebziger Jahren gab es dieses Merchandising. Die ersten "Stars Wars"-Filme waren überhaupt die ersten Filme, die in einem solchen Umfang vermarktet wurden. Die meisten Einnahmen sind sogar über Merchandise-Produkte hereingekommen, etwa über Spielzeug. Heutzutage kennen viele Kinder die Figuren der Filme, ohne dass sie je einen Film gesehen haben. Das Merchandising hat funktioniert.

Von Anfang an mehr als ein Film

tagesschau.de: Wie wurde aus den "Star Wars"-Filmen eine Saga?

Zitt: Es gab von Anfang an ein Narrativ - nicht nur die Story, sondern echte Charaktere wurden geschaffen. Es gibt sozusagen ein eigenes Universum, nicht nur einen Film. George Lucas hat mit "Star Wars" eine eigene Welt geschaffen, in Form eines Märchens. Das sagt ja gleich schon der erste Satz im ersten Film aus dem Jahre 1977: "Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis." Durch diesen Satz war von Anfang an klar: Dies ist ein modernes Märchen. So ist es auch dargestellt. Es geht nicht darum, welche Rolle die Menschen haben, sondern es geht um eine eigene Geschichte und damit wurde es eben zu einer "Saga". Übrigens stand bereits im zweiten Film aus dem Jahr 1980 im Vorspann "Episode 5". Es war also von Anfang an klar, dass es irgendwann Filme geben könnte, die zeitlich und inhaltlich davor und danach spielen werden.

tagesschau.de: Sie halten ja in Ihrer Eigenschaft als Dozent für Elektrotechnik Vorlesungen zu Science Fiction und der technischen Umsetzbarkeit. Gibt es denn Technik, die in den "Star Wars"-Filmen gezeigt wurde und heute wirklich Realität ist?

Zitt: Ja, zum Beispiel Hologramme und diese in "Star Wars" gezeigten "Holo-Displays". Daran wird gearbeitet, an der dreidimensionalen Projektion von Menschen, die miteinander kommunizieren. Bildtelefonie ist ja bereits Standard heute. Ansonsten hat George Lucas nicht so viel Wert auf technische Richtigkeit gelegt. Das war eher bei "Star Trek" der Fall. Lucas hat Philosophie und Anthropologie studiert und deshalb in diesen Bereichen seine Schwerpunkte gelegt.

Star-Wars-Fans heben gemeinsam ihre Lichtschwerter. "Echte" Laserschwerte wird es aus physikalischen Gründen wohl niemals geben. Bild: dpa

tagesschau.de: Bedeutet das, dass wir auch in absehbarer Zeit nicht wie die Jedi-Ritter mit Lichtschwertern herumfuchteln können?

Zitt: Mit einem Laserstrahl oder einer "Plasmaklinge" kann ich zwar Dinge zerschneiden, aber nicht kämpfen. Wie sollte es gehen, dass ein Laserstrahl nach einem Meter aufhört? Auch wenn man sich die Klinge aus Plasma denkt, könnte man damit keinen "Schwertkampf" führen. Warum sollte man so etwas auch bauen, außer man ist "Star Wars"-Fan und Bastler. Dann darf man alles Lichtschwert nennen, was so ähnlich aussieht, leuchtet und vielleicht auch noch die charakteristischen Geräusche macht.

Das Interview führte Ute Spangenberger, SWR

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